„Juggling makes you high for free“ - Kreative Praxis mit dem Jongliergenie

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Chris Blessing
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Ich habe mich gefragt, wie viele Profi-Jongleure ein Durchschnittsdeutscher namentlich nennen kann. Am ehesten ist den Leuten vielleicht Rastelli als Inbegriff des geschickten Jongleurs bekannt, doch der ist seit bald hundert Jahren tot. Vielleicht kennt der Eine oder Andere Kris Kremo, den Gentlemanjongleur, der auch schon bald 70 wird. Oder den einen oder anderen Tempojongleur aus dem Zirkus.



Fragt man in der Jonglierwelt nach angesagten Jongleuren, dann fällt ein Name wohl mit Abstand am häufigsten: Wes Peden, Jahrgang 1990, aus New York. Er gilt nicht nur als technisch sehr versiert (mehrere Weltrekorde), sondern vor allem als sehr kreativer, origineller, innovativer Artist und als Inspiration für tausende Jongleure weltweit. Ganz bewusst geht er unkonventionelle Wege und setzt Trends. Nach seinem Studium in der mittlerweile angesagtesten Jongleurschmiede in Stockholm blieb er in Schweden und bereist von dort aus die Welt, um im Duo, Trio oder auch zunehmend mit Solo-Shows Menschen zu faszinieren. Dabei macht er in seinen Shows zum größten Teil Tricks, die er so noch niemanden hat ausführen sehen. Diese entstehen oft durch Variationen und Kombinationen aus Grundmustern. Wes lässt sich unter Anderem von Elektro-Tänzern, Skateboardern und Sumo-Ringern zu ungewöhnlichen Körperpositionen und Moves beim Jonglieren inspirieren. Noch lieber als auf der Bühne zeigt er das in seinen Videos, die auch in der Machart Kunstwerke sind und unter Jongleuren quasi als legale Drogen gelten. Gerne mal reinschauen:

https://www.youtube.com/channel/UCUGbKhD_pPlddwavnOBvcgw



Deshalb habe ich nicht lange überlegt, als ich erfahren hatte, dass Wes Peden einen 3-tägigen Jonglierworkshop in Paris anbietet und das sogar noch recht günstig. In Paris, wo ich glücklicherweise bei einer Zirkusstudentin unterkam, ging es an die Académie Fratellini, eine der ältesten Zirkusschulen Frankreichs. Dort fand im Rahmen des Festivals „Rencontre de Jonglages“ die „Formation Wes Peden“ statt, mit ca. 20 rein männlichen Teilnehmern, viele Studenten von Zirkusschulen, die alle scharf darauf waren, drei Tage für je sechs Stunden mit Wes zu jonglieren. Toll, einer davon zu sein!

Und Wes' Programm war dicht gepackt: Er gab uns das Handwerkszeug für kreatives Jonglieren mit, indem er Methoden aufzeigte, wie man als Alt Neu macht und dieses Neue interessant und manchmal sogar faszinierend. Immer wieder bekamen wir Aufgaben innerhalb eines vorgegebenen Rahmens. Zum Beispiel brachte uns Wes eine Sequenz mit einer Keule bei. In diese sollte anschließend jeder für sich noch einen Ball einbauen und danach nochmal einen Ball oder eine Keule. Dadurch entstanden dauernd neue Dinge, vielleicht nie ausgeführte Kombinationen.

Denn es ist eben nicht so, dass die meisten Tricks schon mal gemacht wurden. Es gibt täglich Neues zu entdecken, und Wes Pedens Mission ist es, dies zu tun und Anderen zu zeigen, wie sie suchen können, um Neues zu entdecken und entwickeln.

Anders gesagt: Kreativität zu üben, denn sie ist ein Muskel, der stärker wird, je mehr man ihn benutzt.



So bleiben mir nach dem Workshop einige Seiten Notizen, die mir Anregungen geben, mit denen ich jahrelang kreativ arbeiten kann sowie große Motivation, damit anzufangen und vor allem die aufgefrischte Erkenntnis, warum Jonglieren meine Leidenschaft ist.

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