Bayern oder Dortmund: Heiß aufs Duell in Wembley

Veröffentlicht von Filstalborussen · 24. Mai 2013 ·
  1. JOCHEN WEIS | GZ | 24.05.2013
    cl-finale_2013.jpg Das Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern und Dortmund elektrisiert die Massen. Warum nur ihr Team gewinnen kann, das verraten die Fanklub-Chefs der Filstalborussen und des Fanstadels Lonsee.

    An den 19. Mai 2012 erinnern sich die Fans des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München mit Grausen: 120 Minuten lang sind die Bayern im Champions-League-Finale "dahoam" in der Allianz-Arena gegen den FC Chelsea drückend überlegen - nur sie machen nichts draus. Nach dem Führungstreffer in der 83. Minute durch Thomas Müller kassieren die Münchner drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit den Ausgleich zum 1:1 (Didier Drogba köpft einen Eckball ein), zu allem Übel vergibt Arjen Robben in der Nachspielzeit (95.) einen Strafstoß. Schließlich scheitern die Bayern im Elfmeterschießen mit 3:4 an den Londonern.
    Uwe Staib, Präsident des Bayern-Fanclubs "Fanstadel Lonsee", hat diese Bilder noch lebhaft vor Augen und ist deshalb umso mehr davon überzeugt: Am Samstag ist Wiedergutmachung für die Schmach angesagt - dann, wenn im Londoner Wembley-Stadion die Bayern im ersten rein deutschen Finale der europäischen Königsklasse auf die Dortmunder Borussen treffen (20.45 Uhr/ZDF und Sky). "Es ist für uns einfach mal Zeit zu gewinnen. Unsere Mannschaft hat aus der Niederlage gegen Chelsea gelernt", sagt Staib. Seine Prognose: 3:1 für Bayern.
    Generell gelte aber: Hauptsache gewinnen, "sonst wäre die deutsche Meisterschaft für die Katz, wenn sich die Dortmunder den Henkelpott holen würden." Außerdem, betont Staib, winke den Bayern ja noch das Titel-Triple mit Meisterschaft, Champions-League-Krone und Pokal (Finale am 1. Juni in Berlin gegen den VfB Stuttgart), "das ist für unser Team eine zusätzliche Motivation." Zumal die Münchner im Vorjahr in allen drei Wettbewerben nur als Zweiter über die Ziellinie gingen, davon zweimal hinter den Schwarz-Gelben aus Dortmund.
    Dass der Noch-Borusse und künftige Münchner Mario Götze morgen im Wembley-Stadion nicht auflaufen kann - der Jungnationalspieler laboriert nach wie vor an einem Muskelfaserriss im Oberschenkel - hat Staib indes mit Erleichterung vernommen. Nicht, weil er Götze den Einsatz nicht gönnen würde, "aber für ihn wäre das wirklich eine blöde Situation. Und für uns ebenso, wenn er unseren Traum zerstören würde. Dann könnte er eigentlich gleich in Dortmund bleiben."
    Doch ob nun gegen Götze oder nicht - Staib sieht seine Bayern so oder so gut aufgestellt gegen die Dortmunder: "Wir müssen natürlich besonders Obacht geben auf Robert Lewandowski. Wenn wir aber spielen wie gegen den FC Barcelona, dann mache ich mir keine Sorgen." Im Halbfinale hatten die Bayern die Katalanen mit 4:0 und 3:0 abgewatscht, "da hat jeder geackert und gekämpft. Das zeichnet unser Team in dieser Saison aus: kein FC Hollywood, sondern volle Konzentration von Anfang bis Ende".
    Nun sehen sich die Dortmunder und ihre Fans jedoch ganz und gar nicht in der Rolle des chancenlosen Underdogs, im Gegenteil. Lothar Bindert, Chef des BVB-Fanklubs Filstalborussen, formuliert dies diplomatisch: "Wir Borussen sind davon überzeugt, dass die Anzahl der Weltklasse-Leute bei den Bayern stark ausgeprägt ist", sagt er, "wir können aber als Mannschaft sehr geschlossen auftreten und dem FC Bayern das Leben schwer machen."
    Die Chancen beider Teams beziffert Bindert deshalb als "50:50 - wobei der Druck auf die Bayern wesentlich größer ist als auf uns". Der BVB könne zwar mit dem Verlauf der Meisterschaft nicht zufrieden sein, 25 Punkte Rückstand auf die Bayern seien viel zu viel. Allerdings würden die bisherigen Auftritte in der Champions-League diese Enttäuschung aufwiegen. Im Halbfinale Real Madrid mit 4:1 und 0:2 aus dem Wettbewerb gekickt, im Viertelfinale nach einem 0:0 im Hinspiel den FC Malaga in dessen Stadion mit 3:2 ausgeschaltet, obwohl der BVB bis zur 90. Minute 1:2 zurückgelegen hatte, außerdem zu Beginn die Todesgruppe D mit Real Madrid, Ajax Amsterdam und Manchester City souverän als Sieger gemeistert: Das sind laut Bindert der Stoff, aus dem Champions-League-Legenden gestrickt werden.
    Sein Tipp: ein 1:0 für seine Dortmunder. "Wir müssen es schaffen, bis in die zweite Halbzeit das 0:0 zu halten. Dann ist es möglich, ein Tor zu schießen", sagt Bindert, der auf eine konsequente Defensive setzt, "denn eines ist auch klar: Wir werden sicher nicht zu vielen Chancen kommen". Der Chef der Filstalborussen bedauert zwar, dass Götze fürs Finale ausfällt, macht sich aber ansonsten keine großen Gedanken um die Personalie: "Ob der Einsatz in diesem Spiel eine Belastung für ihn gewesen wäre oder nicht, wird nun bloße Spekulation bleiben."
    Dass das überragende Champions-League-Jahr der Borussia mit Blick auf deren Spieler die Begehrlichkeiten anderer Klubs geweckt hat, sieht Bindert indes als unumgängliches, aber längst nicht Existenz bedrohendes Übel an. "Natürlich haben andere Vereine auch so super Spieler wie Marco Reus auf dem Zettel stehen. Aber unsere finanzielle Basis stimmt, wir haben eine gute Ausgangsposition, um adäquaten Ersatz zu finden."
    So unterschiedlich die Erwartungen vor dem Champions-League-Finale sind, so einig sind sich die Anhänger beider Klubs in einer Sache: Das Finale mit zwei deutschen Klubs sei ein Riesending für den deutschen Fußball, betonen Bindert und Staib unisono. "Die Bayern sind ohnehin dominant, darum ist es erfreulich, wenn eine zweite deutsche Mannschaft bis ganz nach oben kommt", sagt Staib. "Die ganze Welt schaut auf uns, wir können also mit der Entwicklung sehr zufrieden sein", bekräftigt Bindert.
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